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Wir trauern um Ulf Kadritzke

2020-11-21

Redaktion und Beirat der PROKLA trauern um Ulf Kadritzke, der am 14. November überraschend verstorben ist. Ulf war der PROKLA als Autor und Mitglied des Redaktionsbeirats viele Jahre eng verbunden. Mit seinen Ideen hat er die PROKLA bereichert und geprägt. Das gilt vor allem im Hinblick auf die Klassen-Diskussion. So kritisierte er in seinen beiden letzten PROKLA-Aufsätzen (Teil 1, Teil 2), die die Grundlage für das 2017 bei Bertz + Fischer veröffentlichte Buch „Mythos Mitte“ bildeten, die Klassen-Vergessenheit der neuen soziologischen Mitte-Diskussion und erinnerte daran, dass auch die Angestellten, denen seit jeher sein besonderes Interesse galt, zur Klasse der Lohnabhängigen gehören. Sein Wissensfundus zu diesen und anderen Fragen war enorm. Er kannte sich mit den aktuellen Debatten ebenso aus wie mit den Studien zum „neuen Mittelstand“ in der Weimarer Republik. Vor allem war er in der Lage, nahezu alles zu einem Thema zu rezipieren, ohne dass seine Texte dadurch überladen wirkten - im Gegenteil: Sie waren sowohl stilistisch als auch von ihrer Argumentation her von außerordentlicher Qualität. Ulf war ein äußerst verlässlicher und unterstützender Mensch. Er gab selbst viele wichtige Impulse und Anstöße, und er war da, wenn man ihn brauchte – nicht nur verbal, sondern aktiv die gute Sache vorantreibend. Als Intellektueller, Ratgeber und Freund wird er uns sehr fehlen. Ein ausführlicher Nachruf mit einer Würdigung seiner Arbeiten folgt in Heft 1/2021 der PROKLA.

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Bd. 50 Nr. 201 (2020): Die Politische Ökonomie des Krieges
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»Friedensdividende« – so lautete nach 1990 ein hoffnungsvolles Versprechen nach dem Ende des Kalten Krieges. Aber schon um die Jahrtausendwende wurde eine Epoche von »neuen Kriegen« ausgerufen: Diese seien unkonventionelle Konflikte, in denen verschiedene lokale Bürgerkriegsparteien danach trachteten, sich gewaltsam zu behaupten. Doch weder ist diese Form der Kriege wirklich neu, noch haben wirtschaftliche und militärische Großmächte damit nichts zu tun – im Gegenteil. Der klassische Fall ist der bald ein Jahrzehnt andauernde Syrienkrieg. Dabei geht es den ausländischen Akteuren um geopolitische und ideologische Interessen oder um Prestige vor der eigenen Wählerschaft – ganz wesentlich aber um den Zugang zu Erdgas und Erdöl. Solche Kriege gibt es seit Jahrhunderten, sie haben allerdings gerade in jüngster Zeit dazu geführt, dass ressourcenreiche Länder häufig unter einem »Ressourcenfluch« leiden. Darüber hinaus diskutiert die PROKLA die Militarisierung selbst als Geschäftsfeld für einschlägige Unternehmen und fächert so die diversen Dimensionen der politischen Ökonomie des Krieges auf.

Veröffentlicht: 2020-11-30

Editorial

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