PROKLA. Zeitschrift für kritische Sozialwissenschaft https://prokla.de.w018207c.kasserver.com/index.php/PROKLA <p>Die PROKLA. Zeitschrift für kritische Sozialwissenschaft ist eine deutsche Peer-Review-Zeitschrift, in der seit 1971 Themen aus den Bereichen der Politischen Ökonomie, der Politik, Sozialgeschichte und Soziologie bearbeitet. Im Zentrum stehen dabei gesellschaftliche Machtverhältnisse, Polarisierungen im internationalen System und das gesellschaftliche Naturverhältnis.</p> Bertz + Fischer de-DE PROKLA. Zeitschrift für kritische Sozialwissenschaft 0342-8176 Abhängigkeit im 21. Jahrhundert https://prokla.de.w018207c.kasserver.com/index.php/PROKLA/article/view/1858 <p style="margin-bottom: .0001pt;"><span style="font-size: 13.5pt;">Abhängigkeiten im globalen Kapitalismus stellen eine historische Kontinuität dar. Wie diese sich seit dem Ende der formalen Kolonialherrschaft in ökonomischer und politischer Hinsicht fortsetzen, hat Mitte des 20. Jahrhunderts zunächst vor allem der lateinamerikanische Dependenzansatz prominent diskutiert. Der vorliegende Beitrag argumentiert, dass politische und ökonomische Abhängigkeiten trotz Verschiebungen gegenüber der Ausgangslage der dependenztheoretischen Diskussionen der 1970er Jahre weithin fortbestehen und sich nicht allein über die Betrachtung ökonomischer Kennziffern beschreiben lassen. Gerade auch im Hinblick auf zwei Leerstellen des Dependenzansatzes, der Aneignung von un(ter-) bezahlter Sorge- und Subsistenzarbeit sowie am kostenlosen Zugriff auf Natur, zeigen sich Machtbeziehungen und Abhängigkeitsverhältnisse, auf denen die kapitalistische Weltwirtschaft weiterhin beruht. </span></p> Jakob Graf Anna Landherr Janina Puder Hans Rackwitz Tilman Reitz Benjamin Seyd Johanna Sittel Anne Tittor Copyright (c) 2020 PROKLA. Zeitschrift für kritische Sozialwissenschaft 2020-02-27 2020-02-27 50 198 11 32 Dependenz trifft Warenketten https://prokla.de.w018207c.kasserver.com/index.php/PROKLA/article/view/1860 <p>Der Beitrag setzt sich kritisch mit den Annahmen der Mainstream-Güterkettenforschung auseinander. Es werden die sozialen Aufwertungs- und Arbeitsplatzeffekte hinterfragt, die von globalen Güterketten erwartet werden und es werden die selektive Raummuster von Auslagerungen herausgearbeitet. Vor diesem Hintergrund wird mit Konzepten der kritischen Entwicklungstheorie und der globalhistorischen Arbeitsforschung die These von der Überausbeutung von Arbeit im globalen Süden aktualisiert. Der Beitrag verdeutlicht die unterschiedlichen Reproduktionsbedingungen, die es ermöglichen, vergleichbare Arbeit im globalen Süden erheblich schlechter zu entlohnen. Sie liefert Beispiele für gegenwärtige Formen eines Werttransfers vom Süden in den Norden, die im Rahmen globaler Güterketten realisiert werden.</p> Karin Fischer Copyright (c) 2020 PROKLA. Zeitschrift für kritische Sozialwissenschaft 2020-02-27 2020-02-27 50 198 33 51 Ökologisch ungleicher Tausch: Wachstum auf Kosten von Mensch und Natur https://prokla.de.w018207c.kasserver.com/index.php/PROKLA/article/view/1854 <p>Die wachstumsgeleitete ‚Entwicklung‘, die derzeit trotz verheerender ökologischer und sozialer Konsequenzen verfolgt wird, ist abhängig von ökologischer Ungleichheit. Als ökologisch ungleicher Tausch erlaubt der Außenhandel die Ausdehnung des ökologischen Handlungsspielraums einiger weniger, während er für viele andere deren Einengung bedeutet. Das erst ermöglicht weiteres globales Wachstum und verschärft dabei gleichzeitig bestehende Ungleichheiten und asymmetrische Machtverhältnisse.</p> Anke Schaffartzik Franziska Kusche Copyright (c) 2020 PROKLA. Zeitschrift für kritische Sozialwissenschaft 2020-02-27 2020-02-27 50 198 53 67 Finanzielle Abhängigkeit https://prokla.de.w018207c.kasserver.com/index.php/PROKLA/article/view/1859 <p>Mehr als ein Jahrzehnt nach dem Beginn der internationalen Finanzkrise 2007/8 hat sich die Verschuldungssituation in Schlüsselländern der globalen Semiperipherie wieder zugespitzt. Dieser Beitrag zeichnet die historischen Dynamiken internationaler Verschuldung von peripheren und semiperipheren Ökonomien nach und diskutiert diese im Zusammenhang mit deren Akkumulationsmodellen. Die daraus resultierenden Konstellationen von Verschuldung und Akkumulation geben Auskunft über Formen und Ausmaß von ökonomischer Krisenverwundbarkeit. Als besonders krisenanfällig haben sich Ökonomien mit ausgeprägter abhängiger Finanzialisierung und/oder enger Rohstoffexportorientierung erwiesen.</p> Joachim Becker Rudy Weissenbacher Copyright (c) 2020 PROKLA. Zeitschrift für kritische Sozialwissenschaft 2020-02-27 2020-02-27 50 198 69 88 Endstation China? https://prokla.de.w018207c.kasserver.com/index.php/PROKLA/article/view/1857 <p>Aus einer Perspektive der Weltsystemtheorie diskutiert der Artikel, inwieweit sich China von einem Durchflusszentrum für globale Materialströme zu einem Zielland mit erhöhtem Materialverbrauch entwickelt. Der Artikel verwendet das Konzept der Material Flow Accounting and Analysis (MFA), um empirische Daten des Internationalen Ressourcenpanels zu analysieren. Die Ergebnisse zeigen, dass China zu einem immer wichtigeren Wirtschaftsraum wird, der die USA und die EU in seiner Bedeutung als Endstation des Materialverbrauchs sogar übertrifft. Gleichzeitig behauptet China weiterhin seine Position als zentrale Drehscheibe in den globalen Materialflüssen, wobei der Binnenmarkt im Vergleich zu den externen Märkten kontinuierlich und gleichzeitig expandiert.</p> Fabricio Rodríguez Copyright (c) 2020 PROKLA. Zeitschrift für kritische Sozialwissenschaft 2020-02-27 2020-02-27 50 198 89 108 Editorial - Abhängigkeit und globale Stoffströme https://prokla.de.w018207c.kasserver.com/index.php/PROKLA/article/view/1862 <p>Editorial</p> PROKLA Redaktion Copyright (c) 2020 PROKLA. Zeitschrift für kritische Sozialwissenschaft 2020-02-27 2020-02-27 50 198 4 10 Wann war die Dekolonisierung? https://prokla.de.w018207c.kasserver.com/index.php/PROKLA/article/view/1861 <p>Der Artikel diskutiert am Beispiel der Karibik einige der Paradoxien der (De-)Kolonisierung im 21.&nbsp;Jahrhundert als Kennzeichen eines ungleichen modernen/kolonialen Weltsystems, für die es bisher nur rudimentäre globale Lösungen gibt. Die Karibik hat die längste Geschichte kolonialer Verflechtungen mit Europa und ist damit auch die periphere Region mit den ausgeprägtesten Abhängigkeiten von den Zentren des Weltsystems. Sie enthält bis heute Überseegebiete, die administrativ zu den USA gehören, sowie über ein Drittel der Territorien, die immer noch von europäischen Staaten regiert werden. Vergessene europäische Grenzen noch kolonisierter europäischer Territorien in der Karibik und der Verkauf von Staatsbürgerschaftsrechten im Falle unabhängiger karibischer Gebiete verkomplizieren das Narrativ einer abgeschlossenen administrativen Dekolonisierung. Sichtbar werden solche Paradoxien häufig erst in Krisensituationen, etwa angesichts sogenannter Naturkatastrophen oder politischen Entscheidungen wie dem Brexit. Sie zeigen, dass die Kolonialität der Macht sowohl in ehemals kolonisierten als auch in noch besetzten Gebieten Situationen von Abhängigkeit herstellt.</p> Manuela Boatcă Copyright (c) 2020 PROKLA. Zeitschrift für kritische Sozialwissenschaft 2020-02-27 2020-02-27 50 198 111 124 Kein Ende globalisierter Wertschöpfung https://prokla.de.w018207c.kasserver.com/index.php/PROKLA/article/view/1855 <p>Der Beitrag setzt sich kritisch mit dem Argument auseinander, dass in Folge der Digitalisierung der Fertigung eine Rückverlagerung („Reshoring“) industrieller Kapazitäten in Hochlohnländer bevorstehe. Zwar gibt es schon seit Längerem durchaus Trends zu einer stärkeren geografischen Integration von Fertigung und Zielmärkten, die durch die Digitalisierung noch verstärkt werden könnten. Allerdings unterschätzt die Reshoring-These, dass digitale Technologien auch Tendenzen der geografischen Fragmentierung der Fertigung beförderten, die vor allem durch die Weiterentwicklung von Logistik und E-commerce ermöglichet werden. Die internationale Arbeitsteilung ist also nicht durch einseitige Prozesse eines Reshoring, sondern durch eine sektorspezifische Rekonfiguration des Globalen und des Lokalen gekennzeichnet.</p> Florian Butollo Copyright (c) 2020 PROKLA. Zeitschrift für kritische Sozialwissenschaft 2020-02-27 2020-02-27 50 198 125 131 Und ewig grüßt der Maulwurf https://prokla.de.w018207c.kasserver.com/index.php/PROKLA/article/view/1863 <p>Ein Kommentar zu Martin Kronauers Plädoyer für ein »Recht auf Arbeit«</p> <p>Der Beitrag führt die in der PROKLA 197 begonnene Debatte über das bedingungslose Grundeinkommen fort. In seiner Auseinandersetzung mit Martin Kronauers Plädoyer für ein Recht auf Arbeit betont Stephan Lessenich das kritische Potenzial, das gerade in der – dem bürgerlichen Leistungsethos widersprechenden – Bedingungslosigkeit des Grundeinkommens liegt. Es ist die Bedingungslosigkeit des Anspruchs auf materielle Existenzsicherung, die als das eigentliche Skandalon der Grundeinkommensdebatte gelten kann: Rechte zu denken, ohne im selben Atemzug korrespondierende Pflichten mitzudenken.</p> Stephan Lessenich Copyright (c) 2020 PROKLA. Zeitschrift für kritische Sozialwissenschaft 2020-02-27 2020-02-27 50 198 143 153 Zeit der Scharlatane – die Selbstzerstörung der SPD https://prokla.de.w018207c.kasserver.com/index.php/PROKLA/article/view/1856 <p>Die <em>PROKLA</em> 196 diskutierte in ihrem Schwerpunkt die Krise der Sozialdemokratie. Ingo Schmidt sieht in seiner ideengeschichtlichen Skizze einen von der Anziehungskraft wichtiger ökonomischer Denker geprägten Prozess der Veränderung der SPD. Manfred Wannöffel konstatiert eine schwindende Macht der Arbeiterbewegung, die soziale Basis der SPD. Beide Diagnosen nehmen die SPD aus der Verantwortung, zeichnen sie eher als Getriebene. Die These der vorliegenden Replik lautet hingegen, dass der Niedergang der SPD vielmehr das Resultat von selbstzerstörerischen Handlungen ihrer politischen Führungen ist, einem Defizit an einer theoretisch informierten, eigenständigen Wirtschaftspolitik.</p> Michael Wendl Copyright (c) 2020 PROKLA. Zeitschrift für kritische Sozialwissenschaft 2020-02-27 2020-02-27 50 198 133 141 Die Lausitz im Strukturwandel https://prokla.de.w018207c.kasserver.com/index.php/PROKLA/article/view/1853 <p>Die Lausitz steht vor einer doppelten Herausforderung in den nächsten Jahrzehnten. Mit dem Kohleausstieg wird eine zentrale Industrie wegbrechen und bereits heute erfährt die sich zunehmend radikalisierende AfD in der Region große Zustimmung. Der Beitrag diskutiert auf der Basis von Interviewmaterial die ökonomischen, politischen und kulturellen Gründe für das Erstarken des autoritären Populismus in der Lausitz und die dem entgegenwirkenden Dynamiken einer progressiven Erneuerung.</p> Tobias Haas Copyright (c) 2020 PROKLA. Zeitschrift für kritische Sozialwissenschaft 2020-02-27 2020-02-27 50 198 151 169 Arbeit, Klasse und eigensinniges Alltagshandeln https://prokla.de.w018207c.kasserver.com/index.php/PROKLA/article/view/1832 <p>Der Beitrag kritisiert, dass die Autoren des Konzepts imperiale Lebensweise die politökonomische Form von „Klasse“ weitgehend ausblenden. Auf der Grundlage eines auf Tausch und Status reduzierten Klassenbegriffs überstrapazieren sie die Perspektive von Konsum und Distinktion als Dreh- und Angelpunkt kapitalistischer Entwicklung und Naturzerstörung. Damit werden, insbesondere für den Globalen Norden, zwei zusammenhängende Dimensionen kapitalistischer Produktionsweise vernachlässigt beziehungsweise bagatellisiert: die strukturelle Gewalt der Wertform und die zugleich immer auch eigensinnige stofflich-leiblich-soziale Praxis von (lohn-)arbeitenden Menschen, in dieser und gegen diese. Eine kapitalismus-kritische Perspektive muss, so schließt der Beitrag, die Zerstörung von Natur und (arbeitendem) Menschen als Herrschaftszusammenhang denken.</p> Stefanie Hürtgen Copyright (c) 2020 PROKLA. Zeitschrift für kritische Sozialwissenschaft 2020-02-27 2020-02-27 50 198 171 188